Hermes’d du mi verorschn?

Oder auf Hochdeutsch: Hermes, möchtest du mich verarschen? Da habe ich mich ja gestern schon über die Unfähigkeit von diversen Versanddienstleistern aufgeregt und damit gleichzeitig den Zorn des Götterboten selbst auf mich gezogen, der sich dann eben denkt: „Fick dich Sven, du bekommst dein Paket nicht.“ Aber zurück auf Anfang.

Nachdem ich jetzt für längere Zeit in München bin, wollte ich mir ein Fahrrad zulegen. Ideal für den Weg zur Arbeit, ideal für den Sommer, ideal für den Weg zum Fitness Studio, ideal für die Freizeit… Ach scheiß drauf, wem gegenüber muss ich mich denn rechtfertigen! Für Fahrrad.de gab es dann noch einen schönen Gutschein, der meine nicht vorhandene Argumentationskette einwandfrei abschloss und ich musste mir nur von Kollegen anhören, dass man doch sein Bike nicht im Internet bestellt. Ich habe gekontert, dass man doch heutzutage seine Traumfrau auch nur noch online sucht und swipe den Kollegen mit einer Handbewegung nach links. Wahrscheinlich hätte der Hinweis auf die 100 Tage Rückgaberecht gereicht. But so what.

Meine Geschichte beginnt eines schönen Montags, denn wenn man bis 16 Uhr bestellt, dann wird die Lieferung noch am gleichen Tag versandt. Voller Geilheit auf mein neues Fahrrad informiere ich den Empfang darüber, dass innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage ein etwas größeres Paket ankommen sollte. Es scheint ein Fehler zu werden, dass ich die Firmenadresse verwende, aber ich kenne leider noch keinen meiner Nachbarn und dachte es wäre einfacher für alle Beteiligten, wenn ich das „Paket“ hier entgegen nehmen könnte.

Es ist Mittwoch und bei jedem Gang zur Kaffeemaschine drücke ich F5 um den aktuellen Status im Online-Tracking zu sehen und jaa, ich trinke seeeehr viiieeeel Kaffeeeee. Geplante Zustellung am 06.04.2016 zwischen 10:30 und 12:00. Es ist 10:30, es ist 10:35, es ist 10:40, ich hole mir einen Kaffee, es ist 10:45, ich verbrenne mir die Zunge am noch zu heißen Kaffee. Ich könnte dieses Spielchen endlich fortsetzen, aber irgendwann gegen 15 Uhr dachte ich mir dann doch, rufste mal an, Frauen sind ja auch nicht immer die pünktlichsten. Ich erwähne nur beiläufig, dass ein Anruf aus dem Mobilfunknetz 60 Cent kostet und nach einer viel zu kurzen Wartezeit (keine Ironie) erhalte ich die Information, dass es um 10:xx Uhr einen Fehler im Verteilzentrum gab und dass heute nicht mehr zugestellt werden würde. Es wäre schön, wenn man dem Kunden unter Umständen diese Information im Online-Tracking zur Verfügung stellen würde, dann könntet Ihr euch Personal im Call-Center sparen! Ich quatsche noch etwas mit der Dame am Telefon und erwähne sicherheitshalber wie man es schafft, die Lieferanschrift zu finden, aber dazu gleich mehr. Auf jeden Fall wird mir erzählt, dass mein Paket dann morgen erneut in die Zustellung geht.

Mein Kalender zeigt in der logischen Konsequenz Donnerstag an und wenn man mir erzählt, dass mein Paket morgen kommt, dann sollte mein Paket dementsprechend heute ankommen. Kurz Verwirrung gestiftet, denn es wird noch besser. Nachdem bis Nachmittag immer noch nichts passiert ist, addiere ich weitere 60 Cent zu meiner Telefonrechnung und wenn ich noch einen Glauben hätte, dann würde ich von diesem abfallen. Aufgrund meiner zusätzlichen Information, „Wie zum Teufel finde ich ein 20-stöckiges Hochhaus auf dem auch noch der Firmenname steht“, aber dazu gleich mehr, wurde die Lieferung mit einem neuen Etikett versehen und konnte deshalb nicht mehr an diesem Tag zugestellt werden. Sie kann nichts mehr für mich tun und sagt mir, dass ich leider bis zum nächsten Tag warten müsse. Für alle Leute mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis, Alzheimer oder für mich, weil ich es einfach nicht glauben kann; man hat mir nicht gesagt, dass sich dadurch die Zustellung um einen Tag verzögert.

Wir schreiben Freitag und mittlerweile schafft es auch das Hermes-Tracking-Tool einen neuen Status anzuzeigen und verspricht mir mein Fahrrad in einem drei-Stunden-Zeitfenster von 10:00-13:00 Uhr. Ich mache mich erneut am Empfang lächerlich und sage mit einem Augenzwinkern: „Heute kommt es, ganz sicher…“. Ich werde wohl bis zum Projektende immer nur noch den Seiteneingang benutzen. Ich habe etwas weniger Geduld und so wähle ich schon um 13:30 Uhr die Nummer der Sex-Hotline und warte auf die schöne Stimme von Annabelle. Annabelle erzählt mir etwas von einem Fehler im Verteilzentrum und ich habe ein Déjà-vu. Ich schaue auf den Kalender, der Kalender schaut zurück, ich schaue auf den Kalender, es ist nicht Mittwoch, es ist Freitag und schon wieder passiert der gleiche (Diese Stelle musste leider zensiert werden). Ich weiß, dass Annabelle nichts dafür kann, aber ich werde etwas ungehalten als ich die Standard-Aussage höre: „Ich kann da leider nichts für Sie tun.“ Auch hier liebes Hermes bietet sich Einsparpotential, denn wenn ich dreimal bei Euch anrufe und ich dreimal die Aussage bekomme „Ich kann da leider nichts für Sie tun.“, dann besprecht doch gleich Euren Anrufbeantworter damit.

Ich verlange Vorgesetzte beziehungsweise Teamleiter und auch Franzi kommt mit der gleichen Antwort: „Ich kann da nichts für Sie tun.“ Ich verlange Vorgesetzte beziehungsweise Teamleiter und Karina meldet sich mit guter Laune. Ich bekomme fast einen Lachanfall, aber eher aus Verzweiflung. Von den beiden Damen zuvor habe ich die Information erhalten, dass es Ihnen nicht möglich sei Fahrer oder Verteilzentrum zu kontaktieren. Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, aber zumindest habe ich jetzt endlich jemand am Telefon, der sich bemüht mir zu helfen und mir anbietet, dass das Paket morgen an die Privatadresse geliefert werden könne. Ich bin zwar leider nicht zuhause, aber vielleicht kann ich bei irgendeinem meiner Nachbarn mit meiner Geschichte Mitleid erregen.

Leider bin ich mir aktuell nicht mehr sicher ob ich das Fahrrad unter all den schlechten Vorzeichen überhaupt noch haben will. Ich rufe beim Händler an und warne Ihn vor, dass vielleicht, wenn Hermes es schaffen sollte das Paket zuzustellen, meine Bestellung zurückkommt. Auch hier versucht sich die Mitarbeiterin an einer Lösung und nimmt Kontakt mit Hermes auf, um auf meine Privatadresse umzuleiten. Zehn Minuten später aber Ernüchterung, eine Änderung der Adresse würde wieder zu einer Verzögerung von ein bis zwei Tagen führen. Ich warte leider immer noch auf Feedback von Karina und bin gespannt ob Sie vielleicht andere Möglichkeiten hat. Ansonsten habe ich noch bis Montag Zeit mir zu überlegen, ob ich die Lieferung annehme.

Zusammenfassend bin ich fast sprachlos was bei Hermes passiert. Ich stelle mir das gerade bildlich vor, wie ein 2-Meter großer Karton im Verteilzentrum steht und der Fahrer sich denkt: „Boah ne, masch morgen“. Ich verstehe auch nicht, dass es wohl selbst für Mitarbeiter bei Hermes keine Möglichkeit geben soll einen Fahrer oder eben Verteilzentrum direkt zu kontaktieren. Wir haben damals mit DPD zusammengearbeitet und wir hatten von jedem einzelnen Fahrer die Handynummer für den Notfall. Ich habe sogar angeboten, dass ich das Paket selbst abholen würde, aber auch diese Lösung wurde abgelehnt. Es wird wohl bei Hermes verschiedene Prozesse geben, hoffe ich zumindest, welche dafür sorgen soll(t)en, dass alles reibungslos funktioniert, was es aber nicht tut. Wenn das jedoch nicht der Fall ist und drei Tage lang nur Unsinn passiert, dann muss meiner Meinung nach jemand eingreifen und sei es, dass er manuell und höchstselbst das Paket umlabelt, so dass es am nächsten Tag zugestellt werden kann.

Osram

Hier wohnt Osram Eglinski.

Und wie versprochen, hier das Best-Of der Outtakes.

„Warum wurde die Lieferadresse geändert, das ist doch immer noch die gleiche?“
„Da stand vorher OSRAM Sven Eglinski, das kann doch auch der Vorname sein. Woher soll man denn wissen, dass das eine Firma ist?“

Als würde der Mitarbeiter eines Versanddienstleisters das erste mal eine Adresse sehen…

Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder Tieren ist rein zufällig und zum Schutz der Persönlichkeit wurden die Namen von der Redaktion geändert.


Titelbild gefunden bei unsplash.

eAk

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