#Sport – Mein erster Strongman

Sport ist Mord, aber ohne Sport lebst du auch nicht länger oder für die Läufer unter uns, „Mit Laufen gewinnst du mehr Lebenszeit, aber die verbringst du halt dann mit Laufen.“. Und dann gibt es da noch diese 13.000 Verrückten die sich freiwillig total kaputt machen lassen, indem sie über Hindernisse springen, einen Halbmarathon laufen und dafür dann auch noch Geld ausgeben. Ich rede hier vom Fisherman’s Friend StrongmanRun am Nürburgring.

Lange vorher musste man sich die Tickets sichern, denn gerade in den ersten Stunden gehen diese weg wie geschnitten Brot. Ich esse zwar kein Brot mehr, aber ein Ticket hatte ich mir dann doch gesichert. Meine Freundin hatte mich relativ schnell und einfach überzeugt, konnte einfach keinen Kratzer am männlichen Ego ertragen, schließlich ist sie den StrongmanRun zum damaligen Zeitpunkt bereits zwei mal gelaufen.

Speziell vorbereitet auf dieses Event hatte ich mich jetzt nicht, bei uns gab es generell in den letzten Monaten eine Ernährungsumstellung um zum einen ein paar Kilos zu verlieren und zum anderen um grundsätzlich gesünder zu leben. Natürlich einhergehend damit auch das Sportprogramm angepasst, zwei mal die Woche ins Fitness Studio, Muskeln aufbauen. Zusätzlich einen Trainingsplan für einen Halbmarathon in unter zwei Stunden von Runtastic für das Lauftraining. Als Motivation, dass man so wenig Trainings wie möglich ausfallen lässt, dient quar­tals­wei­se die Laufchallenge mit Familie und Freunden, Sticheleien inklusive.

Grüne Hölle, grüne Smoothies, grünes Gesicht, ich wäre der ideale Werbeträger für true fruits!

Grüne Hölle, grüne Smoothies, grünes Gesicht, ich wäre der ideale Werbeträger für true fruits!

Der Nürburgring bietet eine tolle Atmosphäre für einen solchen Lauf, die grüne Hölle für ein höllisches Vergnügen. Ich hatte absolut keine Ahnung was mich erwarten würde, dementsprechend aufgeregt war ich als wir ankamen. Schon auf der Suche nach einem Parkplatz die ersten Hindernisse aus der Ferne entdeckt und am liebsten direkt gestartet, als noch weitere drei Stunden auf den Startschuss zu warten. Das Wetter sollte durchwachsen werden, aber für einen solchen Lauf eigentlich halbwegs gute Voraussetzungen, nicht zu kalt und nicht zu warm. Im Ring-Boulevard gab es einige Partner-Stände zu entdecken und auch die Schlange für das erste Hindernis 00. Nichts großartig spannendes und so brachen wir bald auf in Richtung Fahrerlager. Das Rahmenprogramm dort hielt sich in Grenzen, von den zum Zieleinlauf umfunktionierten Schiffscontainern wurde Musik gespielt und zwischendurch versucht mit Kommentaren und Interviews die bereits anwesende Menge zu unterhalten. Also war erstmal Sitzen im kalten Wind angesagt und man konnte dabei allerlei verrückte verkleidete Wesen beobachten, aber was sage ich, wir waren ja selbst verkleidet, wenn manche sich auch nur mit grüner Farbe das Gesicht unkenntlich gemacht hatten. Eine Stunde dreißig Minuten vorher ging es dann langsam los für uns, unser Hab und Gut im Finisher Bereich abgegeben und los auf die Start- und Ziel-Gerade des Nürburgring um einen besonders guten Startplatz im vorderen Bereich zu ergattern. Wir landeten schlussendlich irgendwo am Ende des ersten Drittels und das erneute Warten konnte beginnen. Um kurz nach Zwölf begann die Warmup-Show mit Live-Cover-Band und heizte den Läufern und den Zuschauern auf der Haupttribüne mit Hands-Ups, Laola-Wellen und sonstigem Blödsinn ein. Währenddessen gesellte sich auch die Sonne zu uns und beendete zumindest das Frösteln vor Kälte, die Nervosität und die leichte Angst vor dem Ungewissen blieben aber. Man konnte sich zwar die Hindernisse in Wort und Illustration anschauen, aber in der Realität sieht vieles natürlich anders aus. In den letzten zehn Minuten entledigten sich die Leute dann ihrer Müll- und Plastiktüten, alte Pullover und Hosen flogen umher, welche kurz zuvor noch dazu dienten, sich warm zu halten, bis pünktlich um 13 Uhr endlich der Startschuss inklusive Feuerwerk fiel, jetzt gab es kein zurück mehr, Aufgeben keine Option. Nach zehn Minuten überquerten wir die Startlinie und dem Start der Zeitmessung der persönlichen Nettozeit.

StrongmanRun 2015Aufgrund des kommenden USA-Urlaubs in zwei Wochen und meiner bevorstehenden Entjungferung für Hindernisläufe galt erstmal das Motto „Safety First“, keiner wollte den Urlaub auf Krücken verbringen. Dennoch versuchten wir auf den knapp drei Kilometern bis zum ersten Hindernis, das Tempo ein bisschen höher zu halten um weniger langsame Leute vor uns zu haben. Leider bildeten sich früh die ersten Staus beim Auf und Ab an den Treppen, danach hatte sich das Anfangsfeld etwas gezogen, bis nach Hindernis Nummer vier die zum Glück einzige Vollsperrung mit mehreren Minuten Wartezeit auftrat, aber die Leute sind zum Glück entspannt und die Stimmung lässt sich einfach mit einem „GIB MIR EIN H – U – M – B – A – AUSRUFEZEICHEN“ wundervoll pushen.

11,5 Kilometer, 900 Höhenmeter, 18 Hindernisse und das Ganze zwei mal! Den Streckenplan inklusive aller Beschreibungen  der Hindernisse findet man auf der StrongmanRun Seite.

StrongmanRun 2015Weitere Verzögerungen an den Hindernissen blieben aus und wir beendeten Runde eins in knapp unter zwei Stunden Bruttozeit, leider verlor sich unsere Gruppe etwas aus den Augen und so starteten wir zu zweit. Mit der gewonnen Erfahrung und dem Wunsch den Strongman in unter vier Stunden schaffen zu wollen, versuchten wir ein etwas schnelleres Tempo zu laufen, welches wir auch bis zum Ende durchhalten konnten, während uns auf der Strecke vermehrt die Opfer der Krämpfe begegneten. An den Hindernissen verschenkten wir auch kaum noch Zeit und so wurden wir mit einer starken Rundenzeit von 01:22:17 (1. Runde: 01:49:29 Netto) belohnt, insgesamt brauchten wir damit 03:11:46, entspricht Platz 4091.

StrongmanRun 2015Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass es ein hammergeiles Gefühl ist, nach diesen Strapazen ins Ziel einzulaufen, die Finisher-Medaille umgehängt zu bekommen und sich dann mit Energy-Gel, Kuchen und leider alkoholfreiem Bier selbst auf die Schulter zu klopfen, bis man dann im halbtrockenen Zustand sein T-Shirt abholt. Für die Hindernisse hat sich der Veranstalter einiges einfallen lassen, um den Teilnehmern Steine in den Weg zu legen. Der Aufbau wirkte professionell und sicher, einzig das erste Wasserhindernis fand ich etwas ungünstig platziert, denn kurz darauf, ging es einen steilen und unbefestigten Hang hinauf, denn während man selbst im ersten Aufstieg schon kaum Halt fand, wurde im Zweiten die Situation nicht besser und der mittlere Bereich glich einer Eisfläche. Ansonsten machte ich mir vorab nur Sorgen wegen zweier Hindernisse. Zum einen das Unbehagen vor Strom, zum Glück konnte man aber relativ leicht ausweichen, und zum anderen das eiskalte Wasser beim Schwimmhindernis, mit der Gefahr, dass sich die Muskeln verkrampfen. Aber wie man sieht ist alles gut gegangen und man kann definitiv sagen, ich habe Blut geleckt und ich komme wieder, am 21.05.2016!

PS.: Mein Ziel für nächstes Jahr ist eine Zielzeit unter 02:30:00! 😉
PPS.: Titelbild ist von Sportograf

eAk

Kommentar verfassen