#EveryDayStories – Parkplatz

Um die Weihnachtszeit passieren einem doch immer wieder die schönsten oder erschreckendsten Geschichten. So auch dieses Jahr.

Nachdem ich meinen Resturlaub für 2014, satte sieben Tage, bei meiner Familie im wunderschönen bayerischen Ausland verbracht hatte, kehrte ich in die falsche Heimat zurück. Es war der Dienstag vor Weihnachten und meine Freundin und ich wollten noch die letzten Weihnachtsgeschenke bei Real kaufen. Tütennudeln, Sauerkraut, Tee, all das, was man seinen Liebsten eben so schenkt! Nachdem wir uns fast zwei Wochen nicht gesehen hatten, blieben wir auf dem Parkplatz noch etwas im Auto und genossen die Zeit mit klassischem Smalltalk.

Einige Minuten später, legte ein indisches Schlachtschiff der Sharan-Klasse neben uns an und die Insassen verließen gut gelaunt den Anleger. Wir ließen uns davon nicht abhalten und führten unser Gespräch weiter fort, bekannterweise vergeht bei so etwas die Zeit wie im Fluge. So kam die indische Großfamilie auch bald wieder zurück und die Tochter meldete sich bei uns mit einem lauten Tock zurück. Idealerweise hat sie beim Öffnen ihrer Tür den Schwingradius unterschätzt und so traf ihre Tür die meine. Jetzt würde jeder gute deutsche Bürger sofort in sein Auto springen und den Ort des Geschehens fluchtartig verlassen. Aber andere Länder, andere Sitten.

Die junge Dame denkt noch nicht mal daran den „Schaden“ zu untersuchen und lässt auch die Tür weiterhin an meinem Auto angelehnt. Ich würde gerne etwas sagen, aber mir fehlen die Worte und ich kann mein Auto gerade eh nicht verlassen. Ich blicke geschockt in die wütenden Augen meiner Freundin und versuche sie zurückzuhalten, aber sie hechtet mit einer Flugrolle aus dem Auto und knallt die Tür des anderen Fahrzeugs zu um mich aus meinem Gefängnis zu befreien. Mit kritischem Blick überprüfe ich kurz die Schadensstelle, kann aber nichts entdecken und wir verlassen den Tatort ohne Diskussionen mit der Familie. Sicherheitshalber schieße ich kurz ein Foto des Kennzeichens, falls mir im Tageslicht doch noch etwas auffallen sollte.

Da geschieht es, Ranjid (Name v.d. Redaktion geändert) hatte die Aktion beobachtet und verfolgt uns. „Hallo sie, sie da. Haben sie gerade mein Kennzeichen fotografiert? Sie dürfen das nicht.“ Meine Freundin zerrt mich weiter, ich werfe einen letzten Blick zurück und sehe nur noch den prachtvollen Mittelfinger des Mannes, mit dem er mir zum Abschied winkt.

Auch wenn mein Auto bald seinen 13. Geburtstag feiert, war der Zustand beim Kauf im August 2013 top. Es gab einen kleineren Kratzer, der aber nicht der Rede wert war. Mittlerweile habe ich aufgehört zu zählen und bin schockiert von dem Verhalten und der fehlenden Wertschätzung der Leute gegenüber dem Eigentum anderer. Demnächst kann man mein Auto aber sehr gut auf Parkplätzen erkennen, ich habe mir gerade 4 Fender bestellt, die ich dann beim Parken raushänge!

Dazu fällt mir auch nur noch diese Episode von Malcolm Mittendrin ein.

eAk

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