B(a)erlin Tag 2 & 3

Der ganze Stress, aber durchaus im positiven Sinne, hat schon ein bisschen geschlaucht und so komme ich am Montag nur schwer in die Gänge. Der Vorteil für mich, Frühstück gibt es eh erst ab 7 Uhr und der Kurs beginnt um 10. Ich drehe mich also nochmal kurz auf die Seite, lasse die Gedanken schweifen. 5 Minuten später stehe ich genervt auf.

Den Fail des Tages bemerke ich schon relativ früh, denn ich habe anscheinend an alles in meinen Taschen gedacht: Zombie-Plüschhausschuhe, Raspberry Pi für entspanntes Filme schauen, drei verschiedene Deos, aber die neue Zahnbürste liegt sicher verpackt zu Hause. Dann muss ich eben im Laufe des Tages eine besorgen, sollte ja in Berlin kein Ding der Unmöglichkeit sein.

Das Wasser aus meinem „Regenwaldduschkopf“ bewirkt erste Wunder und auch wenn ich mir zu Hause selten ein Frühstück gönne, so genieße ich in Hotels die volle Bandbreite: Rührei, Bacon, Würstchen mit Senf, belgische Waffeln mit Ahornsirup, frischer Obstsalat, Ananas, Wassermelone und das obligatorische Honigbrötchen. Dies gibt es im Monbijou, liebe ich, nutze ich, für geil befunden, super geil. Die einzige Schwierigkeit stellte sich bei meiner erstmaligen Nutzung eines Honiglöffels heraus, irgendwie dauerte mir der Prozess zu lange und das Resultat war auch eher bescheiden: mehr Honig auf dem Ablagetellerchen, als auf meinem.

Gestärkt mache ich mich auf den Weg und suche den SAP Standort in Berlin, laut Maps bequeme 500m Fußweg. Ich wandere auf der Rosenthaler Straße entlang, wie ich heute erfahren habe, kann man hier am Wochenende auch mal eine Runde um den Block ziehen. Ich laufe fast an dem doch etwas unscheinbaren Haus vorbei, hätte ich nicht aus dem Augenwinkel das kleine SAP Logo entdeckt. Der Schulungsraum ist angenehm klein und die ausgelegten Materialien deuten auf einen entspannten Kurs hin. Zum Glück bestätigt sich das Ganze, aus Walldorf kenne ich schließlich auch die andere Seite.

Etwas Schlimmeres als das Thema UML, zum Selbstschutz verzichte ich an dieser Stelle auf eine Verlinkung, kann ich mir für einen Kurs am Montag Morgen nicht vorstellen. Der Part dauert aber idealerweise nicht lange an und nach der ersten Übung geht es an die Praxis/Theorie der Objektorientierung. Einschläfern will ich aber auch keinen mit Geschwafel über Programmierung, zusammenfassend kann man sagen, das Tempo passt und lässt nebenher auch Platz für On- & Off-Topic-Diskussionen.

Zitat eines anderen Schulungsteilnehmers: Ich kann mich bei dem Lärm nicht konzentrieren…

Ok, etwas fies war das schon… In der Mittagspause entdecke ich im Facebook-Feed einen Post von Marc-Uwe Kling, welcher mir mit seinen falsch zugeordneten Zitaten und den Geschichten, die er mit dem kommunistischen Känguru erlebt, schon den ein oder anderen Tag gerettet hat. Marc-Uwe, der sich selbst als Kleinkünstler bezeichnet, wurde mir damals von einem Arbeitskollegen empfohlen und letztes Jahr im September  konnte ich bereits Teile seines aktuellen Buchs live in Bonn erleben. An jedem zweiten und vierten Montag findet im SO36 die Lesedüne, eine Lesebühne, statt. Also das Abendprogramm stand fest.

Kleinkünstler mit Seifenblasen

Kleinkünstler mit Seifenblasen

Nach Kursende eile ich schnell ins Hotel, denn ich wollte auf jeden Fall noch zu McFit. Sportklamotten, Call a Bike und rein in den Berliner Straßenverkehr. Es gibt ja an vielen Ecken extra Ampeln und auch ganz tolle Fahrbahnen für die Radfahrer. Ich scheine aber das System nicht ganz zu verstehen, denn die Berliner knallen auch gerne bei Rot quer über die Straße. Ich warte nur auf den ersten Kommentar, warum ich mich an die Regeln halte. Leicht irritiert biege ich falsch ab, lande auf der Karl-Liebknecht-Straße (große Straße, führt direkt am Alex vorbei) und finde mich auf der Busspur zwischen Bussen und Taxen wieder. Hilft ja nichts, muss man irgendwie durch. An der Ecke Alex, Galeria Kaufhof, springt die Ampel auf grün. Wir wollen gerade in die Pedale treten, als uns, majestetisch wie die Titanic, eine Straßenbahn kreuzt. Die Rolle des Eisbergs blieb unbesetzt und wir blicken genauso verwirrt drein, wie der Kapitän des gelben Ungetüms. Manchmal hat es Vorteile, einmal nicht in der ersten Reihe zu stehen. Ohne weitere nennenswerte Vorfälle oder Verluste von Körperteilen komme ich am Fitness-Studio an.

Gas geben, denke ich nur und kämpfe gegen die Muskelschmerzen an. Ich bin spät dran, muss noch ins Hotel, duschen, umziehen, zur Bank, ominöse vermisste Zahnbürste kaufen, wieder zum Fahrrad und dann auf nach Kreuzberg. Den Club erreiche ich um 19:15 Uhr und die Schlange macht es mir schwer, mich zu verlaufen. Am Eingang erwerbe ich das neueste Werk des Kängurus als Hörspiel und das Minimalziel ist erreicht. Leider werden meine Taschen nicht kontrolliert und ich konnte meine eingeübten Schwachsinnigkeiten, weshalb ich eine Zahnbürste zu einer Vorlesung mitbringe, nicht zum Besten geben.

Zum Abend selbst will ich gar nicht viel sagen. Wer sich dafür interessiert, kann sich die Kollegen auf Youtube anschauen und wer auf Poetry Slam oder Ähnliches steht und zufälligerweise an solch einem Termin vor Ort ist, sollte sich die Zeit nehmen. Der Eintrittspreis ist mit 4 € auch mehr als in Ordnung und die Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Reicht für den ersten aktiven Tag, Licht aus.

Panorama von der Dachterasse

Panorama von der Dachterasse

Angesichts des Muskelkaters vom Training stand für den Dienstag Feierabend ein wenig Erholung auf dem Programm, kleine Runde Ergometer mit anschließender Sauna. Und während ich euch diesen Text schreibe, sitze ich im The Sixties Diner und genieße ein kühles isotonisches Getränk beim Spiel der Bayern. Als Nervennahrung habe ich mir gerade einen warmen Apple Pie bestellt und mit diesen Gedanken lasse ich euch jetzt alleine, if you know what I mean.

Gute Nacht und Liebe Grüße aus Berlin.

eAk

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